Brandschutz bei Gepäckförderanlagen

Januar

27

2016

Es gibt ja Themen in der Logistik, die in der öffentlichen Wahrnehmung ein wenig unterrepräsentiert sind, aber dennoch alles andere als vernachlässigbar. Der Brandschutz an Flughäfen, insbesondere im Bereich der Förderanlagen, sei so ein Thema, sagt Stephan Demmer, stellvertretender Leiter Fördertechnik der Flughafen Köln/Bonn GmbH. Denn mit Gepäckförderanlagen, die sich häufig kilometerlang über den gesamten Airport erstrecken können, werden auch sicherheitsrelevante Punkte zur Feuervermeidung unterschritten.

Der Experte beschäftigt sich beinahe täglich mit dem Thema Brandschutz beiGepäckförderanlagen, seit im Jahr 1996 in der Abfertigungshalle des Flughafens Düsseldorf ein Feuer ausbrach, das mehrere Menschenleben kostete. „Da die Förderanlagen in der Regel die meiste Zeit in Bewegung sind, besteht hier natürlich die Gefahr, dass sich das Feuer durchbrennendes Gepäck über weite Teile des Terminals ausbreitet“, so Demmer. Deshalb seien funktionierende Brandschutzklappen und eine schnell abschaltbare Anlage das A und O, wenn es um Schadenvermeidung geht. Außerdem müsste auch auf die regelmäßige Erneuerung von Gebäudeinventar wie beispielsweise funktionstüchtige Tore geachtet werden.

Ein weites Feld, das die meisten Verantwortlichen an Flughäfen bis vor ein paar Jahren hauptsächlich allein bestellten, wie Demmer berichtet. „Gepäckförderanlagen und ihre Wartung sind ein Nischenthema, das ausschließlich Flughäfen betrifft. Mit Problemen stand man früher deshalb oft allein da.“ Deshalb beschlossen Experten von den Flughäfen Köln/Bonn, Stuttgart, Nürnberg und Düsseldorf vor rund 17 Jahren, sich mit anderen Interessierten zum Erfahrungsaustausch zu treffen. Aus diesem losen Beisammensein hat sich seitdem eine eigene Interessengemeinschaft herausgebildet – das sogenannte Gepäcknetztreffen. Mindestens einmal im Jahr bringt es die FördertechnikverantwortlichenEtlicher Flughäfen in Deutschland zusammen, um über Herausforderungen, potenzielle Anbieter und neue Produkte zu diskutieren. Und das meistens am lebenden Objekt und am besten direkt vor Ort bei einem Hersteller. Im Sommer 2015 waren die Fördertechnikexperten bei der GTE Brandschutz AG in Stahnsdorf bei Berlin zu Gast. Auf dem Programm stand nicht nur eine Führung durch die zwei Produktionshallen des Unternehmens, sondern auch eine ausführliche Erläuterung der Brandschutztechnik, so Philip Capellen, Vorstandsmitglied bei GTE.

 

Das Gepäcknetztreffen ist eine Form der Vernetzung, die den Bereich Gepäckbeförderung aus Demmers Sicht vorangebracht hat. „Wir haben gemerkt, dass einige Probleme tatsächlich an allen Flughäfen gleichermaßen vorkommen – sei es in Sachen Equipment oder im Umgang

mit Lieferanten“, so der Fördertechnikspezialist. Ein reger Austausch helfe nicht nur,gemeinsam Lösungsstrategien zu entwickeln, sondern auch gegenüber Herstellern anders aufzutreten. „Schließlich muss man ja nicht zwingend gegen dieselbe Wand laufen wie die Kollegen weiter südlich oder nördlich“, fügt Demmer hinzu.

 

Das gelte selbstverständlich auch, wenn es darum geht, die Innovationen im eigenen Bereich adäquat umzusetzen. Ein großes Thema auf der inter airport Europe 2015 (siehe Haupttext) sei etwa die Anwendung von Self-Baggage-Drop-off- Systemen gewesen. Sie passend in die Flughafenlandschaft zu integrieren und eventuelle Risiken richtig zu handhaben, steht bei vielen Flughafenverantwortlichen im Fokus. Auch hier möchte die Interessengemeinschaft gern von den jeweiligen Erfahrungen ihrer Mitglieder profitieren. „Hier müssen wir gemeinsam Entwicklungsarbeit leisten, um auch weiterhin innovativ sein zu können“, betont Demmer. Schließlich hat man damit beim Gepäcknetztreffen ja ziemlich gute Erfahrungen gemacht.

 

Quelle: HUSS-VERLAG GmbH - LOGISTIK HEUTE◀ 12 / 2015

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